HOG Arbegen 

2. Arbegener Treffen in Arbegen




Friedhofsandacht und Gedenken an die Verstorbenen auf dem Arbegener Friedhof am 5. August 2015 während des 2. Heimattreffens in Arbegen. Video: Günther Melzer

26 Jahre und zahlreiche Ereignisse später

Mitte der 80-er Jahre lernten wir per Zufall über einen Studienkollegen im Rumänien-Urlaub junge Leute aus Arbegen kennen. Eingeladen nach Arbegen, wurden wir in kürzester Zeit ins Dorf- und Gemeinschaftsleben integriert. Der Zusammenhalt in der sächsischen Gemeinde und die gelebte Gastfreundschaft faszinierten uns und waren selbst für uns, aus dem sächsischen Teil der damaligen DDR etwas in dieser Intensität nicht Bekanntes.


Gruppenbild der Trachtenträger beim 2. Arbegener Treffen in Arbegen.

Die noch gelebten Traditionen, die ursprünglichen Ortschaften, die Kirchenburgen und die herrliche Landschaft ließen unser Herz für Siebenbürgen aufgehen. So kamen wir in den Folgejahren in unserem Sommerurlaub immer wieder nach Arbegen und wurden bei unseren "Gasteltern", Johann und Katharina aus der Kirchgasse jedes Mal mit großer Herzlichkeit aufgenommen.

Von hier aus unternahmen wir mit unseren Arbegener Freunden tolle Touren in die Berge - Fogarasch, Retezat, Zibin, und der Königstein wurden bewandert und viele Kirchenburgen wurden besucht. Arbegen wurde zu einem Teil Heimat für uns. Bei unserem Abschied im August 1989 ahnten wir noch nicht, dass dieser für länger sein würde; das Wiederkommen fürs darauffolgende Jahr war schon fest eingeplant.

Auf dem Heimweg besuchten wir noch Temeswar, wo nur wenige Monate später auf die Bevölkerung geschossen wurde. In Ungarn erfuhren wir von der massenhaften Absetzbewegung der DDR-Bürger und an der Grenze zur Slowakei sagte uns der ungarische Grenzer, dass wir in die falsche Richtung fahren würden. Die Überlegung und Versuchung war nur kurz, es zog uns wieder in die Heimat.

So erlebten wir in Sachsen die aufregende und eine wohl so nie wiederkehrende Zeit des Umbruches. Bei der entscheidenden ersten Großdemo in Leipzig im Oktober 1989 waren wir dabei.
Noch heute wohnen wir in unserer alten Heimat und habe es auch nie bereut, hierher zurückgekehrt zu sein. Mitte des Jahres 1990 erreichte uns eine Postkarte aus Würzburg - wir bräuchten nicht mehr nach Arbegen kommen, fast alle sind ausgereist. Eine Adresse war nicht angegeben, so dass wir nicht antworten konnten.
In dieser Zeit kamen unsere Kinder zur Welt - es änderte sich so vieles im Leben und der Arbeit - Siebenbürgen geriet zunehmend aus den Gedanken. Wir konnten nun alle anderen Teile der Welt kennenlernen und probierten auch vieles aus. Erst Mitte der 90-er Jahre kamen wir auf einer Rückreise aus Italien auf die Idee, in Würzburg mal nach unseren Arbegener Freunden zu forschen, was mittels Telefonbuch auch gelang.
Es gab ein freudiges Wiedersehen. Nach sporadischen Besuchen in den Folgejahren brachen die Kontakte leider wieder ab.

Es sollte bis Anfang 2014 dauern - über die Arbegen-Homepage fand Elke den Kontakt zu unseren damaligen Wanderfreunden Kathi und Andreas. Dann ging es schnell - E-Mail, Anruf- wir einigten uns auf ein gemeinsames Wanderwochenende in der Sächsischen Schweiz und es gab so viel zu erzählen. Auch in Veitshöchheim schauten wir bei den Eltern und Geschwistern während einer Radtour am Main vorbei und nach all den Jahrenwar es genauso warmherzig wie früher.

Wir erfuhren vom geplanten zweiten Arbegener-Treffen in der alten Heimat und wurden gefragt, ob wir nicht Lust hätten mitzukommen. Nach erster Euphorie stellte sich dann aber Unschlüssigkeit ein, ob wir das tatsächlich tun sollten. Schließlich siegte unsere Neugier aber auch die Sehnsucht auf Land und Leute nach 26 Jahren Abwesenheit und wir müssen sagen, dass wir es keine Sekunde bereut haben.

Wir sind noch immer voller Eindrücke und bleibender Erinnerungen an diese schönen Tage, die interessanten und intensiven Gespräche, Unternehmungen an bereits bekannte und vorher nie besuchte Orte und, und, und…..
Über die Festlichkeiten selbst wurde bereits genügend berichtet, Foto- und Filmmaterial ins Netz gestellt. Deshalb hier nur unsere ganz persönlichen Eindrücke und Gedanken über die Zeit in Arbegen und das Erlebte.
Zunächst ein großes Lob und unsere Hochachtung an alle Organisatoren und Ausführenden für die sicherlich nicht einfache Arbeit und die Entscheidung, das Treffen wieder in Arbegen auszuführen.

Schade war es, dass doch viele unserer Bekannten aus den 80-ern nicht mit dabei waren. Bei denen, die wir noch nicht kannten oder auch nicht mehr wiedererkannten wurden wir jedoch mit der von früher gewohnten Herzlichkeit aufgenommen. Man fühlt sich sofort integriert und gehörte gleich wieder dazu.

Eindrucksvoll war der Aufmarsch in der traditionellen Tracht und es war schön zu sehen, dass vor allem sehr viele junge Leute teilnahmen und Freude daran hatten.
Sehr bewegt und mitgenommen hat uns die Friedhofsandacht, als die ganze Zerrissenheitin den Gefühlen der Anwesenden bemerkbar war und uns die Komplexität der eingetretenen Situation am deutlichsten bewusst wurde.
Bei zahlreichen Gesprächen wurden wir mit den mannigfachen Varianzen und der großen Spannweite in den Ansichten zur weiteren Entwicklung in Arbegen und der Dorfgemeinschaft konfrontiert. Zwangsläufig stellt man sich die Frage, wie wir selbst uns verhalten würden, wenn wir in dieser Situation gewesen wären. Eine Meinung ist schnell gebildet, aber man muss sich eingestehen, dass diese, ohne die tiefgreifende Vorgeschichte miterlebt zu haben, kaum belastbar ist.
Aufgefallen ist uns, dass die traumatischen Ereignisse der Nachkriegszeit und ungerechten Enteignungen bei vielen bis heute noch maßgeblichdie Gefühlswelt sowie die Meinung bestimmen und Erklärung für den (uns auch immer noch schwer begreiflichen) radikalen Exodus aus der "Süßen Heimat Siebenbürgen" geben.

Zum anderen spürt man aber auch deutlich, dass neben der verbreitet noch vorhandenen Heimatverbundenheit- "……schade, dass sich mit unserer Kirchenburg nichts tut…." - der wesentliche Teil des Denkens und Handelns doch vom Leben und den Verhältnissen in der heutigen Bundesrepublik Deutschland bestimmt werden - mit allen Vorteilen, aber auch unbestreitbaren sich ergebenden Problemen aus den unterschiedlichen Entwicklungen.

Wir hoffen einfach, dass ihr möglichst viel von eurer Herzlichkeit und dem Gemeinsinn sowie dem Traditionsbewusstsein erhalten könnt (warum kennt ihr so viele Volkslieder und wir nicht?) und würden uns sehr freuen, bei einem zukünftigen Treffen wieder dabei sein zu dürfen.
Um es noch mit einem Spruch aus unserer Heimat im sächsischen Erzgebirge zu sagen "Vergaß die Haamit net".

Wir möchten uns vielmals bedanken und senden ganz herzliche Grüße aus Silberstraße in Sachsen.

Helmar und Elke

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Fotos: Christian Melzer